Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester 2025
Professur Deutsch als Fremdsprache
Die Vorlesung führt ein in die zentralen Vermittlungsgegenstände des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (deutsche Sprachstrukturen aus der Fremdperspektive, Fachsprache, Wissenschaftssprache, deutsche Literatur) sowie die Forschungsdisziplinen, die das Handwerkszeug für eine erfolgreiche Vermittlung des Deutschen für spezifische kommunikative Erfordernisse bereitstellen (Linguistik, Sprachlernforschung, interkulturelle Hermeneutik und Landeskunde).
Die erfolgreiche Vermittlung des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache erfordert eine präzise Kenntnis der deutschen Sprachstrukturen, auch aus komparativer Perspektive, und ihres Erwerbs. Das Seminar vermittelt vertiefte Kenntnisse der Strukturen der deutschen Sprache aus der Eigen- und Fremdperspektive (insbesondere Wortarten, syntaktische Funktionen, topologische Satzstruktur, Phrasensyntax, Kasus, Verbmorphologie, Wortbildung, Sprachtypologie) und führt in die Zweitspracherwerbsforschung ein (insbesondere Spracherwerbshypothesen, Erwerbssequenzen, Profilanalyse). Diese Erkenntnisse werden anschließend auf die sprachdidaktischen Konzepte gängiger Lehrwerke und institutionell relevanter Prüfungsformate bezogen.
Für diejenigen, die noch den alten Master studieren, zählt das als das Seminar "Medium Sprache".
Gegenstand des Kolloquiums sind die zentralen Schritte bei der Abfassung einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit: Themenfindung, Formulierung der wissenschaftlichen Fragestellung, Literaturauswahl, Lektüre und Auswertung wissenschaftlicher Literatur auf die eigene Fragestellung hin; Untersuchungsmethoden; Darstellung des Forschungsstandes, Darstellung des eigenen Untersuchungsvorhabens, Präsentation der Untersuchungsergebnisse, Resümieren.
Ausgehend von den "großen Hypothesen" zum Zweitspracherwerb befasst sich das Seminar mit den Erkenntnissen der Zweitspracherwerbsforschung und ihren Implikationen für eine Didaktik des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache sowie für die sprachliche Integration von Migranten (Sprachstandsmessung, Bilingualismus, Mehrsprachigkeit und muttersprachlicher Unterricht).
Um den sprachlichen Voraussetzungen ihrer Lernenden gerecht werden zu können, brauchen Lehrkräfte Wissen über Spracherwerbsverläufe in Erst- und Zweitsprache, Kenntnisse der Besonderheiten der deutschen Sprache sowie die Fähigkeit, erworbene sprachliche Strukturen angemessen einzuschätzen.
Das Seminar „Zweitspracherwerb“ beschäftigt sich mit Theorien, Methoden und Erkenntnissen aus der Erst- und Zweitspracherwerbsforschung. Die angehenden Lehrkräfte vertiefen ihr Wissen über Sprache und Sprachgebrauch. Sie lernen u.a. ein Diagnoseinstrument (Profilanalyse) und dessen empirische Fundierung kennen, das es ihnen ermöglicht, die Sprachstände ihrer Lernenen zu erfassen und Fördermaßnahmen zu entwickeln.
Prüfungsleistung stellt eine 8-seitige Hausarbeit dar, in welcher die Studierenden unter Einbezug der Ergebnisse der Zweitspracherwerbsforschung selbstständig eine Profilanalyse an einem Lernertext durchführen. Studierende, die nach der Studienordnung von 2016 studieren, fertigen als Prüfungsleistung eine Lehrwerksanalyse an.
Um den sprachlichen Voraussetzungen ihrer Lernenden gerecht werden zu können, brauchen Lehrkräfte Wissen über Spracherwerbsverläufe in Erst- und Zweitsprache, Kenntnisse der Besonderheiten der deutschen Sprache sowie die Fähigkeit, erworbene sprachliche Strukturen angemessen einzuschätzen.
Das Seminar „Zweitspracherwerb“ beschäftigt sich mit Theorien, Methoden und Erkenntnissen aus der Erst- und Zweitspracherwerbsforschung. Die angehenden Lehrkräfte vertiefen ihr Wissen über Sprache und Sprachgebrauch. Sie lernen u.a. ein Diagnoseinstrument (Profilanalyse) und dessen empirische Fundierung kennen, das es ihnen ermöglicht, die Sprachstände ihrer Lernenen zu erfassen und Fördermaßnahmen zu entwickeln.
Prüfungsleistung stellt eine 8-seitige Hausarbeit dar, in welcher die Studierenden unter Einbezug der Ergebnisse der Zweitspracherwerbsforschung selbstständig eine Profilanalyse an einem Lernertext durchführen. Studierende, die nach der Studienordnung von 2016 studieren, fertigen als Prüfungsleistung eine Lehrwerksanalyse an.
In diesem Seminar werden wir uns eingehend mit der Unterrichtsplanung von DaF/DaZ-Unterricht beschäftigen. Im Fokus stehen Aspekte wie die Formulierung realistischer Lehr- und Lernziele, die Auswahl von Sozialformen und Arbeitsaufträgen sowie geeigneter Lehr- und Lernmaterialien. Betrachtet werden aber auch vermittlungsrelevante Inhalte und Strukturen des Deutschen. Gegen Ende des Seminars probieren sich die Seminarteilnehmenden selbst einmal am Planen einer Unterrichtseinheit und geben ihren Kommilitonen Feedback zu ihrer konzipierten Unterrichtseinheit.
In diesem Seminar beschäftigen wir uns ausgehend von den Erkenntnissen der empirischen Zweitspracherwerbsforschung eingehend mit dem Verfahren der Profilanalyse. Im Rahmen des Seminars werden wir die Profilanalyse nach Grießhaber auf verschiedene Datensätze (Lernertexte & Transkripte, Lehrwerkstexte) und auf verschiedene Varietäten des Deutschen z.B. Fach- und Wissenschaftssprache anwenden. In den Blick genommen werden aber auch vermittlungsrelevante Themenfelder wie die Fehleranalyse und Fehlerkorrektur sowie das Prüfen und Testen.
Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Immer dann, wenn Dichter anfangen, über andere Dichter oder über das Dichten selbst zu reden, besteht die Gefahr, dass wir umblättern. Die Reflexion auf das Medium selbst reißt uns – ärgerlich genug – aus der Illusion der aufgebauten Fiktion. Dabei ist es genau das, was die Dichter von alters her erstrebten. Sie machen ihr Publikum auf die Besonderheiten der vorliegenden Dichtung aufmerksam und grenzen sich dabei implizit oder explizit von anderen Dichtern (und anderen Möglichkeiten des Dichtens) ab. Wo Dichter über Dichter reden, wird immer Poetologie getrieben. Die Vorlesung nimmt die Poetologien vormoderner Literatur in den Blick. Sie lässt zu Wort kommen, wer das Wort zur Sache suchte, und ordnet das Gesagte in seine größeren Zusammenhänge ein.
Warum heißt das Buch eigentlich „Buch“, und warum bilden wir den Plural „Bücher“? Achtlos gehen wir an solchen Selbstverständlichkeiten vorbei („Keine Ahnung, das heißt schon immer so“), als sei Sprache – wie in der Bibel dargelegt – tatsächlich etwas einmal von Gott Gegebenes. Demgegenüber veranschaulicht die Übung, wie komplex die hinter unserem Deutsch stehenden Sprach-Geschichten sind, wie man jedes Wort mit Gewinn auf die Goldwaage legen kann (und muss). Sie führt ein in die Grundlagen der historischen Grammatik („Bücher“) und der historischen Semantik („Buch“). Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber ein Interesse an der deutschen Sprache wird vorausgesetzt. Alle Unterrichtsmaterialien werden gestellt.
Warum heißt das Buch eigentlich „Buch“, und warum bilden wir den Plural „Bücher“? Achtlos gehen wir an solchen Selbstverständlichkeiten vorbei („Keine Ahnung, das heißt schon immer so“), als sei Sprache – wie in der Bibel dargelegt – tatsächlich etwas einmal von Gott Gegebenes. Demgegenüber veranschaulicht die Übung, wie komplex die hinter unserem Deutsch stehenden Sprach-Geschichten sind, wie man jedes Wort mit Gewinn auf die Goldwaage legen kann (und muss). Sie führt ein in die Grundlagen der historischen Grammatik („Bücher“) und der historischen Semantik („Buch“). Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber ein Interesse an der deutschen Sprache wird vorausgesetzt. Alle Unterrichtsmaterialien werden gestellt
Die Texte des Mittelalters sind für uns oft unverständlich, nicht zuletzt auf Grund der Sprache. Letztere soll Ihnen durch die im Kurs vermittelten Kenntnisse nähergebracht werden. Auf der Grundlage verschiedenster Texte des deutschsprachigen Mittelalters soll Ihnen ein Grundverständnis der Sprachstufe Mittelhochdeutsch beigebracht und ein Bewusstsein für die Tücken des Übersetzens nahegebracht werden. Die Textgrundlagen werden gestellt, alle weiteren Hinweise erhalten Sie in der ersten Sitzung.
„Heile, heile Segen / drei Tage Regen“: wer glaubt, dass die aufgeklärte Gesellschaft alle Sprachmagie ausgetrieben habe, wird spätestens mit dem bekanntesten Zauberspruch eines Besseren belehrt. Zaubersprüche und Segen sind kein mittelalterliches, an christliche Voraussetzungen gebundenes Phänomen – wie man an gewissen Trivialromanen der Gegenwart, die vom Zaubern handeln, leicht ablesen kann. Dennoch haben sie ihre Geschichte, und die Geschichte beginnt im deutschen Sprachraum, wo wir sie bevorzugt zu verfolgen versuchen, mit dem Einsetzen der Schriftlichkeit im ausgehenden 8. Jahrhundert. Es handelt sich meist um kurze, kryptische Texte, deren intensive Lektüre und messerscharfe Analyse das Seminar erst sinnvoll macht.
Das Seminar wird sich mit verschiedenen mediävistisch-literaturwissenschaftlichen Fragestellungen rund um das 2015 erschienene Rollenspiel The Witcher 3 – Wild Hunt (Entwicklerstudio CDProjectRed) beschäftigen, das den Spieler in eine fiktive und doch vom europäischen Mittelalter inspirierte Welt einlädt und die Geschichte des Hexers Geralt erzählt. Der Fokus wird zunächst auf der Mittelalterrezeption im engeren Sinne liegen (Was ist Mittelalterrezeption eigentlich? Sollte man nicht viel mehr von ,Medievalism‘ sprechen? Und falls ja, wieso?), bevor wir gemeinsam in die Spielewelt eintauchen und uns fragen, an welcher Stelle und vor allem wie das Spiel das ,historische‘ Mittelalter überhaupt umsetzt. Da es in The Witcher auch um Folklore und Sagenfiguren geht, wird im Seminar zudem auf den diesen zugrundeliegenden Erzähltraditionen eingegangen werden.
Bitte beachten Sie: Da sich das gesamte Seminar um ein Spiel drehen wird, setze ich unbedingt voraus, dass Sie das Spiel entweder selbst gespielt haben oder sich entsprechendes Wissen vor dem Seminarbeginn aneignen. Ich werde an keiner Stelle erwarten, dass Sie ein Experte für The Witcher sind, doch sollten Sie sich in der Welt zurechtfinden können und die Story in ihren Grundzügen kennen.
Scheinbar ist uns der Schelm Till Eulenspiegel bestens bekannt: Er tanzt auf dem Seil, wird ausgelacht und lässt dafür die Schuhe seines Publikums miteinander verknoten. Als Bäckergeselle backt er absichtlich Eulen und Meerkatzen, indem er die Anweisungen seines Meisters bewusst missversteht. Der Eulenspiegel, der uns im gleichnamigen Buch von Hermann Bote aus dem 16. Jahrhundert begegnet, hat mit seiner modernen Variante kaum etwas zu tun: Seine Streiche sind mitunter sehr schmerzhaft – nicht zuletzt für ihn selbst – und von einer Komik, die oft genug das Lachen im Hals stecken bleiben lässt. In unserem Seminar werden wir nicht zuletzt unterschiedliche Narrenkonzepte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit kennenlernen, um einen historisch fundierten Zugang zu einer der bekanntesten Schwankfiguren der Literaturgeschichte zu gewinnen.
Die Materialien werden zu Beginn des Semesters bereitgestellt.
In dem Seminar werden wir uns der Sprachstufe des Althochdeutschen widmen und gemeinsam verschiedene althochdeutsche Texte übersetzen. Der Fokus wird außerdem auf dem Vorlesen der Texte liegen, um Kompetenzen für das Geschriebene UND das Gesprochene zu entwickeln. Über die bloße Übersetzungskompetenz hinaus wird auch eine Rolle spielen, wie sich das Deutsche entwickelt hat und mit welchen ,Erzählungen‘ wir es im Althochdeutschen vor allem zu tun haben.
Seit Jean Paul ist der Doppel(t)gänger ein Begriff. Das Motiv ist gleichwohl älter, gerade wenn man die enge Verschränkung von Doppelgänger- und Stellvertretermotiv mitbedenkt: In der vormodernen Literatur lesen wir von Freunden, die sich bis aufs Haar gleichen und (unbemerkt für andere) zu gegenseitigen Stellvertretern werden (‚Engelhard‘, ‚Amicus und Amelius‘); von Helfern, die in genialer Verkleidung als unerkannte Doppelgänger ihrer selbst oder auch des anderen agieren (‚König Rother‘, ‚Tristan‘, ‚Salmon und Morolf‘, ‚Nibelungenlied‘, ‚Der Gürtel‘); von Zwillingen, die mitunter nur dem Namen nach gleich sind, aber doch das gleiche Begehren oder Schicksal eint und entzweit (‚Crescentia‘-Legende, ‚Gregorius‘, ‚Wilhalm von Wenden‘); von Wiedergängern und Wechselbälgern, die als Doppelgänger er- oder auch verkannt werden (‚Rittertreue‘; ‚Teuffels list, kinder zu zeugen‘, ‚Historia von einem wechselbalg‘); schließlich von Menschen, die durch himmlische Mächte mit ihrem eigenen Doppelgänger moralisch konfrontiert sind (‚Der König im Bade‘). Die raffiniertesten Variationen des Motivs bietet zweifellos der Minnesang Heinrichs von Morungen.
Im Seminar widmen wir uns den literarischen Formen, Funktionen und Transformationen des Doppelgängers anhand ausgewählter Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit: Was macht den Doppelgänger zum Doppelgänger? Warum gehen gerade in der vormodernen Literatur Doppelgänger und Stellvertreter eine enge Verbindung miteinander ein? Diskutiert werden hierbei auch medizinische, politische und religiöse Körperkonzepte, die in der symbolischen Kommunikation der Vormoderne ihren Niederschlag gefunden haben und für das Verständnis der literarischen Doppelgängerkonzeption(en) von Relevanz sind.
Ein Reader mit den Texten wird zu Semesterbeginn bereitgestellt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!
Die Veranstaltung unterstützt und begleitet Studierende beim Verfassen der BA- oder MA-Arbeit im Bereich der deutschen Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit bezüglich Themenfindung, Aufbau und Struktur, methodisches Vorgehen usw. Die Betreuung erfolgt individuell.
Das Blockseminar führt die beiden Master-Seminare der Mediävistik und NDVL aus dem Modul B1 zusammen. Anhand des seminarübergreifenden Themas setzen sich beide Seminargruppen vertieft mit den Inhalten des jeweils anderen Seminars auseinander, um einen neuen Erfahrungshorizont zu gewinnen.
Um das Seminar planen zu können, bitten wir diejenigen, die sich literaturwissenschaftlich im Master vertiefen möchten und daher beide Seminare besuchen, sich bis zum 07. April 2025 mit einem der Dozenten per Email in Verbindung zu setzen.
Liebe ist nicht die erste Assoziation, die Menschen normalerweise mit dem Mittelalter verbinden. Wirft man jedoch das Wort Minne in den Raum, kommt meistens etwas darauf zurück. Warum ist das so und bedeutet Liebe im Mittelalter wirklich nichts anderes als Zwangsheirat oder unerhörtes Werben?
Diesen Fragen möchte dieses Seminar auf den Grund gehen. Hierbei soll es vor allem darum gehen, altbekannte Texte neu zu lesen und darin möglicherweise modernere Ansichten zu entdecken, als sie bisher in der Forschung vertreten wurden. Was passiert zum Beispiel, wenn man das "ich" eines Lieds plötzlich weiblich interpretiert? Gab es klar homoerotische Momente in der Epik? Was ist mit Transgender? Und wie passt Jesus in das alles rein?
Dieses Seminar wird im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025 gefördert. Dies bedeutet, dass zu jeder Seminarsitzung durch das Kunstler:innenkollektiv "Out of Order" Kunstwerke geschaffen werden sollen, welche am Ende des Semesters in einer Ausstellung präsentiert werden. Die Studierenden sollen den dazu gehörenden Katalog erstellen, können aber auch bei der künstlerischen Arbeit mitwirken. Somit wird nicht nur ihr intellektueller Horizont erweitert, sondern sie können sich auch am kulturellen Leben der Stadt beteiligen.
Trigger Warning: Texte zu Liebe und Sexualität können zum Teil sehr belastend wirken. Mindestens in einer Stunde wird es explizit um das Thema "Sexualisierte Gewalt" gehen. Bitte nehmen Sie am Kurs nur teil, wenn sie sich dazu in der Lage fühlen!
Professur Germanistische Sprachwissenschaft
Obwohl Emotionen als kulturell durchformte psychologisch-physiologische Zustände zu betrachten sind, die die subjektive Welterfahrung und die mit dieser assoziierte soziale Interaktion in entscheidendem Maße (vor-)konturieren, besaßen Emotionen in der (Sprach-)Wissenschaft lange Zeit einen bestenfalls fragwürdigen Status, der auch heute noch in gesellschaftlichen Allgemein- sowie wissenschaftlichen Fachdiskursen nachhallt. Als Teilursachen für diesen diskursiven Ausschluss können mitunter die gesellschaftliche Bagatellisierung und/oder Banalisierung von Emotionen sowie insbesondere auch ihre Verortung im fühlenden Subjekt, die häufig als Widerspruch zum Rationalismusprimat der Wissenschaft und ihrem Intersubjektivitätsanspruch interpretiert wurde oder zumindest einen (geflissentlichen) blinden Fleck des strukturalistischen Systemfokus darstellte, gelesen werden. Strukturell aufgelöst wurde dieser epistemische Ausschluss erst mit dem sog. affective oder emotional turn der Kultur- und Sozialwissenschaften (vgl. u.a. Clough/Halley 2007; Kappelhoff et al. 2019), mit dem auch die wechselseitigen Verflechtungen zwischen Emotion und Sprache in den Skopus der linguistisch-semiotischen Forschungsprogrammatik verschoben wurden (vgl. u.a. Lüdtke/Frank 2007; Schwarz-Friesel 2007; Horst et al. 2014). An dieses neu erwachsene, aber in vielen Teilen bis heute noch unausgeschöpft gebliebene Erkenntnisinteresse andockend, werden wir im Rahmen unseres Seminars die Verflechtungen von Emotion und Sprache instruierend in den Blick nehmen. Hierfür werden wir uns u.a. basale theoretische Konzepte erarbeiten (z.B. Sprache, Kognition, Emotion), sie aus linguistischer Perspektive in Beziehung setzen und gemeinsam rekapitulieren sowie reflektieren, mit welchen linguistisch-semiotischen Mitteln wir Emotionen intra- und interkulturell ausdrücken, über Sprachgebrauch emotional affiziert werden oder (öffentlich) über emotional besetzte (Tabu-)Topoi kommunizieren.
John Ries findet in der Forschungsliteratur seiner Zeit unglaubliche 141 unterschiedliche Antworten auf die seiner 1931 veröffentlichten Abhandlung und unserem Seminar den Titel gebende Frage: „Was ist ein Satz?“ Ludger Hoffmann kommt 72 Jahre später aber immer noch zu der Einschätzung: „Syntax gilt als Kern der Grammatik, als Zentrum formorientierter Sprachanalyse. Sinn und Gegenstandsbereich werden allerdings kaum diskutiert“ (Hoffmann 2003, 18). Im Seminar wollen wir uns dieser zentralen Frage zum Gegenstandsbereich von Syntax nähern und einen Überblick über die unterschiedlichen, aktuell diskutierten Satzbegriffe gewinnen und ihre Vor- und Nachteile problembezogen abwägen.
Gegenstand der Vorlesung sind die gesprochene und geschriebene Sprache des Deutschen auf der Ebene ihrer kleinsten Segmente, den Lauten und Lautverbindungen sowie den Buchstaben und Buchstabenverbindungen. Das Ziel dieser Vorlesung besteht darin, erstens grundlegende Phänomene und Begriffe der Phonologie und Graphematik vorzustellen und in Beziehung zueinander zu setzen, zweitens unterschiedliche Schulen der Sprachwissenschaft wie die strukturalistische und generative Linguistik im Hinblick auf ihre Methoden und die jeweilige Konstitution ihres Gegenstandsbereichs miteinander zu vergleichen, und drittens weiterführend ausgewählte Aspekte der aktuellen Forschungsdiskussion an der Schnittstelle von Grammatik, Sprachgebrauch und Sprachnorm exemplarisch vorzustellen.
Literatur: Peter Eisenberg (2013). Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. Stuttgart und Weimar: Metzler.
In diesem Seminar untersuchen wir die Multimodalität des Comics mit besonderem Fokus auf das Zusammenspiel von Sprache, Bild und weiteren Zeichen. Einerseits verschaffen wir uns einen Überblick über die materiellen Affordanzen des Mediums und betrachten Comics zugleich aus soziokultureller Perspektive. Im Laufe des Seminars lernen Sie grundlegende semiotische Konzepte sowie Begriffe und Ansätze der Multimodalitäts- und Comicforschung kennen. Anhand ausgewählter Comics, Graphic Novels und Mangas erschließen wir uns stilistische und erzählerische Besonderheiten des Mediums und untersuchen dessen Ausdrucksmöglichkeiten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Semester auf der Anthropomorphisierung von Tieren im Comic – einem bisher wenig erforschten, aber zentralen Bestandteil der Comicgeschichte. Wir analysieren, wie Tiere in Comics als handelnde Figuren inszeniert werden, welche narrativen und visuellen Mittel dabei zum Einsatz kommen und welche kulturellen, philosophischen und ethischen Implikationen diese Darstellungen haben. Dabei entwickeln Sie eigene Fragestellungen, führen Analysen durch und reflektieren die Bedeutung der Anthropomorphisierung im Comic.
Kommunikation findet heute in vielen Formen digital im Internet statt, etwa auf sozialen Medien, Blogs, Nachrichtenwebseiten, Podcasts oder interaktiven Lernumgebungen. Im Seminar werden Theorien und Methoden der multimodalen Analyse vermittelt, um sich digitalen Medien im Internet zu widmen und differenzierte, dem Medientyp und seinen Funktionen angemessene Analysen zu ermöglichen. Grundlagen der Variationslinguistik werden ebenfalls hinzugezogen. Auf dieser Basis wird ein besonderer Fokus auf der Anwendung von KI-Tools zur differenzierten, theoretisch fundierten Analyse multimodaler Kommunikationsformen liegen.
In diesem Kolloquium, das sich an Studierende des BA Germanistik sowie des Faches Deutsch für das Lehramt an Grundschulen wendet, können die Teilnehmer ihre schriftlichen Abschlussarbeiten als „work in progress“ präsentieren und diskutieren. Zusätzlich können Themengebiete aus dem Bereich der Sprachwissenschaft des Deutschen gezielt vertieft werden.
Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Rhetorik sowie unterschiedliche Kommunikationsmodelle arbeiten wir praktisch am Einsatz von Stimme und Körper. Ziel ist es, klar, strukturiert und überzeugend zu sprechen. Hierfür konzentriert sich der Kurs u.a. darauf, folgende Aspekte zu trainieren: Zusammenhang von Stimme und Körper, sinnvolle Strukturierung und Aufbereitung von Themen, hörerorientierte Sprechweisen, visuell überzeugende und ansprechende Gestaltung, Prinzipien effektiver Raum- und Mediennutzung und Umgang mit Lampenfieber. Eigene Vorträge geben Ihnen die Möglichkeit, diese Aspekte praktisch an einem Thema anzuwenden.
Gesten werden im alltagsweltlichen Verständnis oft als natürliche und universelle Zeichen betrachtet, die eine mühelose Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ermöglichen. Gleichzeitig variieren Sprach- und Kulturgemeinschaften erheblich in ihrem gestischen Ausdrucksrepertoire – sowohl in der Vielfalt als auch in der Bedeutung einzelner Gesten.
In diesem Seminar setzen wir uns sowohl theoretisch als auch empirisch mit diesen beiden Perspektiven auseinander. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Gestenforschung und einer Reflexion des Gestenbegriffs widmen wir uns in gemeinsamen Analysen grundlegenden Fragestellungen zur Kultur- und Sprachspezifik von Gesten. Dabei diskutieren wir zentrale Problemfelder und untersuchen, inwiefern Gesten universell oder kulturspezifisch sind.
In dieser Übung erarbeiten wir uns die empirischen Fertigkeiten zur Transkription, Annotation und Auswertung linguistischer und multimodaler Daten. Anhand von ausgewählten Fallbeispielen und Übungsaufgaben konzentrieren wir uns dabei auf die
- Transkription von Rede und Geste
- Annotation von Rede und Geste, Text und Bild
- Analysen mit Hilfe (deskriptiver) Statistiken.
Ein eigenes ‚Mini-Forschungsprojekt’ bietet Gelegenheit, die erworbenen Kenntnisse praktisch umzusetzen und diese selbständig in der Entwicklung und Umsetzung von Studien zu verschiedenen Gegenstandsbereichen anzuwenden. Die Übung schließt das Modul „Methoden“ ab und ergänzt die Übung „Grundlagen des empirischen Arbeitens“.
Ausgehend von einer Erarbeitung kultursemiotischer Ansätze wird die grundlegende Rolle von Zeichen und Zeichensystemen für Kulturen reflektiert, das Verständnis zeichentheoretischer und multimodaler Ansätze umfassend vertieft und auf Problemstellungen aus verschiedenen Kulturbereichen angewandt.
Alle natürlichen Sprachen verfügen über grammatische und/oder lexikalische Mittel der Negation (Blühdorn 2012). Ein Schwerpunkt der Veranstaltung wird in der Betrachtung der Fragen liegen, wie erstens Geste und Rede sowie Text und Bild im Bereich der multimodalen Negation und Verneinung grundsätzlich zusammenwirken und inwieweit sich zweitens weiterführend Paloimpestierungsprozesse im öffentlichen Raum wie Durchstreichungen, Überschreibungen und Auslöschungen (z.B. Umbenennungen und von Straßennamen, Graffiti) sich als rudimentäre Negationshandlungen verstehen lassen. Mit dem Beschreibungswerkzeug der Mental Space Theory (Fauconnier/Turner 2022, Fricke 2021) erschließen wir uns weiterführend, wie Negation und Verneinung auch als kognitive Zeichenprozesse in der Kommunikation beschrieben werden können.
Literatur
Blühdorn, H. (2012): Negation im Deutschen. Syntax, Informationsstruktur, Semantik. Tübingen: Narr.
Bressem, J.und C .Müller (2014): The family of AWAY gestures. Negation, refusal, and negative assessment. In: Cornelia Müller, Alan Cienki, Ellen Fricke, Silva H. Ladewig, David McNeill und Jana Bressem (Hrsg.), Body – Language – Communication. An International Handbook on Multimodality in Human Interaction (HSK 38.2). Berlin, Boston: De Gruyter Mouton. 1592–1604.
Fauconnier, G. und M. Turner (2002): The Way We Think. Conceptual Blending and the Mind’s Hidden Complexities. New York: Basic Books.
Fricke, E. (2021): Mental Spaces, Blending und komplexe Semioseprozesse in der multimodalen Interaktion: Zeichenbasierte und ontologiebasierte Mental Spaces. Zeitschrift für Semiotik 43, 1–2, 113–144.
Fricke, E. (2024): Negation multimodal: Geste und Rede, Text und Bild. In: S. Kabatnik, L. Bülow, M. Merten und R. Mroczynski (Hrsg.), Pragmatik multimodal. Tübingen: Narr. 27–62.
Fricke, E. (2024). Berliner Palimpsesträume als Blended Mental Spaces: Der Selenskyj-Platz 1 Unter den Linden als Fallbeispiel einer prospektiven Umbenennung. In: Marian Nebelin, Christina Sanchez-Stockhammer und Cécile Sandten (eds.), Palimpsest und Raum. Über ein neues Konzept der Kulturwissenschaften. Bielefeld: transkript. 163–191.
In diesem Kolloquium haben Studierende die Möglichkeit, ihre schriftlichen Abschlussarbeiten als „work in progress“ zu präsentieren und zu diskutieren. Zusätzlich können ausgewählte Themengebiete aus dem Bereich des MA-Studiengangs „Semiotik und Multimodale Kommunikation“ gezielt vertieft
Professur Neuere Deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft
Das Fragen als ein universelles menschliches Vermögen, als eine Weise, Welt, Du und eigenes Selbst zu erkunden und mit ihnen in Beziehung zu treten, sich auf das Wagnis Wissen, Erkennen und Erfahren einzulassen und sich gleichermaßen dem Zweifel, der Kritik, dem Nicht-Wissen, der bleibenden Fragwürdigkeit auszusetzen, ist selbst ein fragwürdiges Phänomen, dem in dieser Vorlesung in seinen vielfältigen moralphilosophischen, erkenntnistheoretischen, rhetorischen und insbesondere literarisch-poetischen Ausprägungen nachgegangen werden soll. Dabei wird vor allem der Versuch unternommen, dezidiert ästhetische Formen und Figurationen des Fragens zu eruieren, in ihren ethischen Dimensionen zu untersuchen und im Vergleich mit philosophischen und theologischen Fragekulturen auf ihre spezifischen Möglichkeiten, Funktionen und Wirkungsabsichten zu befragen. Neben eindeutig identifizierbaren Fragestrukturen und expliziten Fragemotiven und -themen (z.B. Goethes „Faust“, Handkes „Das Spiel vom Fragen oder die Reise zum sonoren Land“ und Padgett Powells „Roman in Fragen“), sollen auch implizite Strategien und Formen des Fragens in der Literatur (etwa die interrogative Funktion von Leer- und Unbestimmtheitsstellen, von Pausen und Zäsuren, von Dialogizität und Polyphonie) berücksichtigt und in einer Poetik des Fragens zusammengeführt werden. – Fragen ist immer auch Einladung zum Dialog; entsprechend soll es in dieser Veranstaltung an Raum zur Diskussion nicht mangeln!
Eingeladen sind alle, die neugierig auf die Frage nach dem Fragen sind und auch Lust haben, sich mit ihren Fragen einzubringen
Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Epochen deutschsprachige Literatur vom Barock bis in die Gegenwart mit Blick auf eine gesamteuropäische Entwicklung.
Der Lektürekurs dient vor allem der Vertiefung der in der Vorlesung behandelten ethischen und ästhetischen Aspekte des Fragens. Hierzu erfolgt die gemeinsame Lektüre und Analyse thematisch einschlägiger Texte. Selbstredend besteht darüber hinaus die Möglichkeit, offen gebliebene Fragen zu klären und Vorlesungsinhalte im gemeinsamen Gespräch kritisch zu reflektieren.
Das Fragment gebliebene Prosawerk „Rummelplatz“ (entstanden zwischen 1959 und 1966 in der DDR, postum 2007 erschienen) war von seinem in Chemnitz geborenen Autor Werner Bräunig ursprünglich als ein „Entwicklungsroman […] von 1949 bis in die Gegenwart“ geplant. Christa Wolf beschreibt diesen überwiegend in den Uranbergwerken der Wismut AG sowie in einer Papierfabrik im fiktiven erzgebirgischen Dorf Bermsthal spielenden Roman treffend als eine „wirklichkeitsgesättigte Prosa“, die ein eindrückliches Zeugnis „der Lebensverhältnisse, der Denkweise von Personen, ihrer Hoffnungen und Ziele ihrer oft übermäßigen Anstrengungen“ in einer von Arbeit und Entbehrungen geprägten Welt ablegt.
Im ersten Teil des Seminars möchten wir der wechselvollen Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Romans nachgehen und uns vor allem in intensiven Lektüren seiner Vielschichtigkeit annähern.
Im zweiten Teil wollen wir Bräunigs Bergbau-Roman im Kontext von Verfilmungen über die Wismut (v.a. Konrad Wolfs „Der Sonnensucher“ [1958] und Dror Zahavis „Der Uranberg“ [2010]) vergleichend beleuchten.
Die Idee, zu „Rummelplatz“ ein Seminar zu veranstalten, wurde maßgeblich durch ein Kulturhauptstadt-Projekt der Theater Chemnitz inspiriert, die den Komponisten Ludger Vollmer sowie die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Jenny Erpenbeck damit beauftragt haben, Bräunigs Roman in eine Oper zu transformieren. Die Uraufführung sowie eine Konferenz zum Thema sind für September 2025 vorgesehen.
WICHTIGER HINWEIS: Der Roman ist von den Seminarteilnehmern selbst anzuschaffen. Textgrundlage ist: Werner Bräunig, „Rummelplatz“, mit einem Vorwort von Christa Wolf, hrsg. v. Angela Drescher, aufbau taschenbuch.
„[…] und nun breitet mein Romanheld, oder der, der es noch werden soll, die Decke bis über den Mund und denkt an etwas.“ Im Roman „Der Räuber“ von Robert Walser schreibt der Erzähler und zugleich fiktive Autor über seinen noch in der Konstruktion befindlichen Protagonisten. Der empirische Text thematisiert damit den Entstehungsprozess literarischer Werke als poetologisches Prinzip. Das Phänomen anklingender Selbstreferenzialität von Literatur findet sich auch in der romantischen Komödie „Der gestiefelte Kater“ von Ludwig Tieck wieder, wenn sich schon im Prolog des Stückes die fiktiven Zuschauer über ihre Erwartungen an ein gleich stattfindendes Theaterstück unterhalten. Das Seminar soll sich entsprechend mit literarischen Verfahren und Ausprägungen im Kontext der Metafiktion beschäftigen. Das ‚Schreiben über das Schreiben‘ oder das ‚Buch im Buch‘ hängen dabei wiederum auch mit den Beziehungen von literarischen Werken untereinander zusammen. Die Intertextualität wird im Seminar zudem einen zentralen Fokus einnehmen, wenn z.B. Stefan Heyms Erzählung „Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe“ auf den realen englischen Schriftsteller Daniel Defoe und seine Biografie anspielt oder „Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers die Namen realer Autoren als Anagramme verarbeitet und eine Dichterausbildung thematisiert. Durch die beiden miteinander verbundenen Aspekte der Metafiktion und Intertextualität gilt es, auf die daran geknüpften Diskurse der Selbstreferenzialität und -reflexion von Literatur einzugehen.
Alexander Kluge, der aus zentralen Diskursformationen der Bonner und später dann auch der Berliner Republik kaum wegzudenken ist, ist ein Autor, „welcher sich auf fast jeder Seite seines gesamten Œuvres literarisch und filmisch mit dem Krieg auseinandersetzt“ (Matteo Galli). Es ist daher naheliegend, sich im Jahre 2025, wo sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal jährt, einem Schriftsteller wie Kluge zu widmen. „Auf zwei Topoi, zwei Denkfiguren und historische Ereignisse kommt Kluge immer wieder zurück: auf den Kessel von Stalingrad und auf den Luftangriff“ (Stefanie Carp). Im Fokus des Seminars werden aus diesem Grunde sein Stalingrad-Roman: Schachtbeschreibung und das ‚Heft 2: Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945‘ aus der Chronik: Unheimlichkeit der Zeit stehen. Flankiert wird die Veranstaltung von einer Auseinandersetzung mit Kluges Film: Die Patriotin, welcher aus einer cineastischen Perspektive an seinen Umgang mit Geschichte und Krieg heranführt, sowie von einem Seitenblick auf seine: Kriegsfibel 2023, die eine Brücke zu den jüngsten militärischen Ereignissen schlägt.
Aber auch deswegen ist es überaus naheliegend, sich in der Lehre an der TU Chemnitz im Jahre 2025 mit Kluge zu befassen, weil die Chemnitzer Professur für Neure Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft vom 27. bis zum 29. Juni 2025 die Internationale und interdisziplinäre wissenschaftliche Fachkonferenz: memento STALINGRAD – Multiperspektivische Betrachtungen der Geschichte, Rezeption und Aktualität einer Schlacht veranstalten wird. Dabei wird selbstredend auch Kluge eine Rolle spielen, da er mit seiner Schlachtbeschreibung objektiv betrachtet den bedeutendsten Beitrag seitens der deutschsprachigen Literatur zum Stalingrad-Diskurs geleistet hat. Ein dritter Grund, sich 2025 im Rahmen der Lehre mit Kluge zu befassen, besteht darin, dass die Neue Sächsische Galerie in Chemnitz (NSG) im Zusammenhang mit der Konferenz eine Ausstellung zu Kluge gestalten wird. Das Seminar wird inhaltlich sowohl an die Konferenz als auch an die Ausstellung gekoppelt, was den Umstand erklärt, dass es als eine Blockveranstaltung angeboten wird. Diese sieht in concreto wie folgt aus:
In einer 90minütigen Vorbesprechung (äquivalent zu einer Seminarsitzung) werden zu Beginn des Semesters die zu erbringenden Leistungen etc. festgelegt. Im 1. Block (äquivalent zu 5 Seminarsitzungen) findet die Auseinandersetzung mit den hier aufgeführten Werken Kluges statt. Der 2. Block (äquivalent zu 6 Seminarsitzungen) umfasst die Teilnahme an den sechs Vorträgen der Stalingrad-Konferenz, welche sich der Schlacht an der Wolga aus der literaturwissenschaftlichen Perspektive nähern. (Die Teilnahme auch an den anderen Themenblöcken der Konferenz wird wärmstens empfohlen.) Zu diesem Block gehören auch die zwei Veranstaltungen mit dem renommierten russischen Schriftsteller und Dissidenten Viktor Jerofeew. Die erste Veranstaltung ist eine geschlossene Seminarsitzung mit dem Autor, in welcher er einen seiner jüngst entstandenen Texte zum Thema Krieg und Frieden zusammen mit den Studierenden des Seminars diskutieren wird. Diese Diskussion, an der sich auch die Studierenden aus dem Seminar zu Russland unter Putin, welches Jakob Kullik von der Chemnitzer Professur für internationale Politik anbieten wird, beteiligen werden, dient ebenso der Erweiterung der im Seminar gewonnen Perspektiven wie auch die zweite Veranstaltung mit Viktor Jerofeew, eine öffentliche Lesung, die den Titel trägt: „Stalingrad, Zweiter Weltkrieg und die bis heute reichenden Folgen.“ Der 3. Block (äquivalent zu 3 Seminarsitzungen) widmet sich schließlich der weiteren Beschäftigung mit den genannten Werken Kluges sowie mit den Exponaten der Ausstellung.
(Alle Interessenten sind von Jakob Kullik herzlichst eingeladen, über die gemeinsame Veranstaltung hinaus auch an den anderen Sitzungen seines Seminars teilzunehmen.)
Zur Anschaffung empfohlen: Kluge, Alexander: Kriegsfibel 2023, Suhrkamp-Verlag, Berlin 2023.
Kluge, Alexander: Chronik der Gefühle, 2 Bände, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2000.
(Enthält die Schlachtbeschreibung als auch die Chronik: Unheimlichkeit der Zeit.)
Mo., 14. April, 17:15–18:45 Uhr Vorbesprechung (NK004)
1. Block
Fr., 20. Juni, 15:30–19:00 Uhr, und Beschäftigung mit den aufgeführten Werken Kluges
Sa., 21. Juni, 10:00–15:00 Uhr
2. Block
Do., 26. Juni, 15:30–17:00 Uhr Seminarsitzung mit Viktor Jerofeew zum Thema Krieg und Frieden
Do., 26. Juni, 19:00–20:30 Uhr Öffentliche Lesung und Diskussion mit Viktor Jerofeew (NSG)
Fr., 27. Juni, ca. 15:30–18:00 Uhr 4 Vorträge aus literarischen Perspektiven zum Thema Stalingrad
Fr., 27. Juni, 19:00–21:00 Uhr Eröffnung der Alexander-Kluge-Ausstellung (NSG)
Sa., 28. Juni, ca. 09:00–10:30 Uhr 2 Vorträge aus literarischen Perspektiven zum Thema Stalingrad
3. Block
Sa., 5. Juli, 10:00–15:00 Uhr Weitere Beschäftigung mit den aufgeführten Werken Kluges
sowie den Exponaten der Kluge-Ausstellung (NSG)
Am Ausgang des 18. Jahrhunderts entstand die Künstlererzählung. Dies war keineswegs zufällig. In einer modernen Lebenswelt wurde der Künstler in der Literatur mehr und mehr zum gesuchten idealen Typus. War es ihm doch in besonderer Weise möglich, sich in einer arbeitsteilig ausgerichteten und funktional strukturierten Gesellschaft seine individuelle Ganzheitlichkeit zu bewahren. Diese exponierte Sonderstellung verband sich jedoch mit Problemen und Fragen, denen sich ein Autor in der Moderne stellen musste: Sollte angesichts bürgerlicher Verhältnisse an den vorrevolutionären Idealen festgehalten werden? Wo findet sich in der „Prosa des Alltags“(Hegel) der poetische Stoff? Viele Autoren versuchen in ihren Künstlererzählungen auf diese und andere sie bedrängende Fragen Antworten zu geben. Mit ihren Texten schreiben sie gleichsam eine Geschichte des modernen Autors. Diese anhand zentraler Werke des 18. bis 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen, ist ein Ziel der Veranstaltung.
Das Motiv des Doppelgängers zieht sich durch die Literaturgeschichte und entfaltet in verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen. Von den romantischen Schauergeschichten über die psychologischen Erzählungen der Moderne bis hin zu postmodernen Identitätsdiskursen spiegelt das literarische Doppelgänger-Motiv zentrale Fragen nach Ich und Anderem, Realität und Illusion, Schuld und Schicksal wider. Im Seminar untersuchen wir Texte aus unterschiedlichen literarischen Traditionen und Sprachräumen, darunter Werke von E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Fjodor Dostojewski, Robert Louis Stevenson, Jorge Luis Borges und Jose Saramago. Dabei analysieren wir, wie das Motiv des Doppelgängers jeweils inszeniert wird und welche interkulturellen sowie epistemologischen Fragestellungen sich daran knüpfen. Die theoretische Grundlage bilden erzähltheoretische Ansätze sowie Konzepte aus der Psychoanalyse (Freud, Lacan) und der Kulturwissenschaft (Levinas, Baudrillard, Butler).
Das Blockseminar führt die beiden Master-Seminare der Mediävistik und NDVL aus dem Modul B1 zusammen. Anhand des seminarübergreifenden Themas setzen sich beide Seminargruppen vertieft mit den Inhalten des jeweils anderen Seminars auseinander, um einen neuen Erfahrungshorizont zu gewinnen.
Um das Seminar planen zu können, bitten wir diejenigen, die sich literaturwissenschaftlich im Master vertiefen möchten und daher beide Seminare besuchen, sich bis zum 07. April 2025 mit einem der Dozenten per Email in Verbindung zu setzen.
Das Kolloquium dient der gezielten Vorbereitung von BA-Abschlussarbeiten im Bereich der Neueren Deutschen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Es bietet zum einen die Möglichkeit, laufende Arbeitsprojekte (unabhängig, in welchem Stadium sich diese jeweils befinden!) vorzustellen und zu diskutieren. Zum anderen kann und soll es aber auch der Vertiefung textanalytischer und -interpretatorischer Kompetenzen dienen. Die konkrete Ausrichtung und Gestaltung des Kolloquiums wird von der Nachfrage und den Bedürfnissen der Examenskandidaten abhängen. Herzlich eingeladen sind auch Lehramtsstudierende, die ihre Examensarbeit im Bereich der NDVL schreiben.
Das Kolloquium dient der inhaltlichen Vertiefung des Studienschwerpunkts Interkulturelle Literaturwissenschaft in seiner Ausrichtung auf die Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft. Studierende erhalten die Möglichkeit, Fragen rund um die Masterarbeit – unabhängig in welchem Stadium sich diese befindet! – zu diskutieren. Das Kolloquium ist primär nachfrageorientiert, d.h. von der Themenfindung und -präzisierung über methodische Probleme bis hin zu gemeinsamen exemplarischen Textanalysen soll es die Masterarbeit unterstützend begleiten.
Juniorprofessur Digital Humanities - Studiengangsübergreifende Veranstaltungen
Beschreibung folgt
Digitale Editionen bilden einen wichtigen Arbeitsbereich der Digital Humanities. Die Entwicklung einer Digitalen Edition verbindet die Arbeitsweisen klassischer Editorik mit Entscheidungen zur Textauszeichnung und zur Präsentation im Internet. Das Seminar untersucht Formen und Funktionen digitaler Editionen und Repositorien im Kontext der Forschungspraxis der Digital Humanities. Dabei werden von den Teilnehmenden selbst Konzepte entwickelt und kleinere Editionen erstellt.
HINWEIS: Der Kurs wird als Blockseminar durchgeführt. Die Absprache der Blocktermine erfolgt in der ersten Sitzung.