Publikationen
Bröchler, Stephan & Höhne, Benjamin (Hrsg.) (2025): Politik und Regieren in Berlin, Wiesbaden: Springer VS (im Erscheinen)
Der Sammelband liefert komprimiertes Wissen über Strukturen, Akteure, Prozesse sowie wichtige landespolitische Politikthemen. Der Band ist die erste umfassende Darstellung der facettenreichen Politik und Verwaltung des Landes Berlin. Die Beiträge behandeln die Grunddimensionen des Berliner Regierens auf Landesebene als auch die Wechselbeziehungen zum Bund und zur EU. Gegenstand im Detail ist die Darstellung des ausdifferenzierten politischen Systems Berlins und seiner Institutionen, wie Abgeordnetenhaus, Senatsregierung und Verwaltung, Verfassungsgericht, Parteien und Wahlen, direkte Demokratie und politische Kultur. Darüber hinaus werden traditionelle wie neu hinzugekommene landespolitische Politikfelder in den Blick genommen, u.a. die Finanz- und Wohnungspolitik, Innere Sicherheit, Migration, Gleichstellung, Antisemitismus und Digitalisierung.
Höhne, Benjamin (2024): The Experimental Catch-up Democratization of Intra-party Leadership Selection in Germany, in: German Politics and Society. 42. Jg., H. 1, S. 61-87.
In vielen westlichen Demokratien hat sich die innerparteiliche Auswahl von Parteivorsitzenden erheblich demokratisiert. Im Fall von Deutschland, einem Land, das für seine außergewöhnlich stabilen und krönungsartigen Rekrutierungsbedingungen bekannt ist, werden die jüngsten Veränderungen in der Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) als experimentelle Nachhol-Demokratisierung beschrieben. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Eingabedimension der innerparteilichen Demokratie (IPD). Er basiert auf einer Forschung, die longitudinal Daten von 2017 bis 2022 (als die bedeutendsten Veränderungen stattfanden) mit denen von 1990 bis 2016 (um die traditionellen Auswahlmuster zu zeigen) vergleicht. Die Analyse umfasst Indikatoren wie (mehr) Selbstkandidaturen, (verstärkten) Wettbewerb unter den Kandidat:innen, Dezentralisierung und (größere) Einbeziehung der Basis. Durch eine detaillierte Untersuchung dieser beiden Parteien leistet der Artikel einen Beitrag zu den internationalen Debatten über IPD und Veränderungen bei der Auswahl von Führungspersönlichkeiten.
Heinze, Anna-Sophie/Höhne, Benjamin/Wortmann Callejon, Felix (2023): What Drives the Intra-party Democracy of the "Alternative for Germany": Populist Ideology, Low Institutionalisation or Lacking Party Unity?, in: Party Politics, online first, S. 1-13.
Die Organisation populistisch-radikal rechter Parteien prägt ihren langfristigen Wahlerfolg erheblich. Innerhalb dieser Partei-Familie lässt sich eine große organisatorische Variation feststellen, wobei die „Alternative für Deutschland“ (AfD) einen „least-likely case“ darstellt: In Bezug auf die Kandidat:innenauswahl (CS) schneidet sie auf den Demokratiemaßstäben deutlich besser ab als die anderen Bundestagsparteien. Dieser Artikel untersucht die Gründe für dieses hohe Maß an innerparteilicher Demokratie (IPD) und konzentriert sich dabei auf drei erklärende Dimensionen: Ideologie, Institutionalisierung und Partei-Einheit. Methodologisch wenden wir multivariate Analysen von repräsentativen quantitativen Daten an, die unter AfD-Mitgliedern bei der Kandidat:innenauswahl vor der Bundestagswahl 2017 erhoben wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass hohe politische Unzufriedenheit und geringe Institutionalisierung wichtige Treiber für inklusive CS-Verfahren sind. Insgesamt liefert der Artikel ein tieferes Verständnis der zugrunde liegenden Einstellungen für die inklusive IPD der AfD und bietet substanzielle theoretische und empirische Implikationen für zukünftige Forschungen.
Höhne, Benjamin/Bouju, Aimie/Landwehr, Dario (2023): Supporting Diversity on Party Lists: Attitudes of German Party Gatekeepers towards Enhancing Immigrant Representation, in: Representation - Journal of Representative Demogracy, 60. Jg., H. 3, S. 395-414.
Frühere Studien haben gezeigt, dass politische Parteien eine entscheidende Rolle dabei spielen, warum bestimmte minorisierte Gruppen weitgehend aus der parlamentarischen Sphäre ausgeschlossen sind. Dennoch wissen Forscher:innen noch relativ wenig über die spezifischen Herausforderungen bei der Auswahl von Kandidat:innen mit Migrationshintergrund. Es gibt ein gewisses Verständnis der Nachfragedimension, z.B. der mangelnden politischen Ressourcen von Migrant:innen, aber über die Auswahldimension wurde bisher noch wenig herausgefunden. Dieser Artikel gibt Einblicke in die Haltung der Parteigatekeeper:innen gegenüber dem Migrationsthema bei der Kandidat:innenauswahl. Unsere Arbeit konzentriert sich auf Deutschland, wo mehr als ein Viertel der Bevölkerung einen „Migrationshintergrund“ hat, aber diese Gruppen in den Parlamenten erheblich unterrepräsentiert sind. Unsere Ergebnisse basieren auf groß angelegten Umfragedaten, die bei den Nominierungskonferenzen von sieben Parteien für die Bundestagswahl 2017 erhoben wurden. Wir führten binär-logistische Regressionen durch, um zu analysieren, wie die Einstellungen und sozialen Merkmale der auswählenden Parteimitglieder deren Unterstützung für die Balance von Landeslisten beeinflussen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die hierarchische Position der Gatekeeper:innen innerhalb ihrer Parteien (als Basis-Mitglieder oder Mitglieder der Parteielite) keinen Einfluss auf ihre Unterstützung für mehr Diversität hat. Vielmehr sind es die ideologische Selbstpositionierung, das Geschlecht und die allgemeine Sensibilität gegenüber politisch marginalisierten Gruppen der Gatekeeper:innen, die einen signifikanten Einfluss auf ihre Unterstützung für das Migrationsthema haben.
Höhne, Benjamin (2023): How Democracy Works within a Populist Party: Candidate Selection in the Alternative for Germany, in: Government and Opposition, 58. Jg., H. 3, S. 478-496.
Hat die Forderung nach mehr direkter Demokratie durch populistische Parteien Auswirkungen auf ihre interne Entscheidungsfindung? Um diese Frage zu beantworten, analysiert ein neues, groß angelegtes Forschungsprojekt die Kandidatenaufstellung 2017 aller Bundestagsparteien, einschließlich der populistischen Alternative für Deutschland (AfD). Etwa 1.334 Einzelkandidatennominierungen von sieben Parteien werden unter Verwendung quantitativer Indikatoren entlang von drei Dimensionen der innerparteilichen Demokratie (IPD) verglichen: Wettbewerb zwischen Kandidatenanwärtern, Einbeziehung der Mitglieder und nominationsbezogene Kommunikation. Es zeigt sich, dass die AfD ihrem Versprechen einer Basisdemokratie gerecht wird: In allen Ergebnissen belegt sie mit weitem Abstand den ersten Platz. Es scheint ein neues populistisches Organisationsmodell entstanden zu sein, das weder dem klassischen hierarchischen und führerzentrierten Modell vieler anderer europäischer rechtspopulistischer Parteien noch dem für deutsche Parteien typischen Delegiertenversammlungsmodus folgt. Unsere Weiterentwicklung der IPD-Konzepte, neu ausgearbeitete Messmethoden und überraschende empirische Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis demokratischer Entscheidungsprozesse in populistischen Parteien bei.
Höhne, Benjamin (2023): The "Männerpartei": Distinctive Type of Organisation Only for Far-right Parties?, in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, 17. Jg., S. 107-132.
In der Populismusforschung wird das vergleichende Konzept der „Männerpartei“ von Cas Mudde verwendet, um rechtspopulistische Parteien zu beschreiben. Anhand einer quantitativen Befragung aktiver Parteimitglieder im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 (N=7923) untersucht dieser Artikel, inwieweit dieses Konzept auf die „Alternative für Deutschland“ (AfD) angewendet werden kann und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu den sechs anderen im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien bestehen. Während internationale Forschungen zum Wahlverhalten und zu den Programmen rechtspopulistischer Parteien bereits seit einiger Zeit vorliegen, stellt die Geschlechterzusammensetzung von rechtspopulistischen Parteiorganisationen noch immer ein Forschungsdesiderat dar. Die 2013 gegründete AfD ist ein interessantes Forschungsobjekt, da sie sich insbesondere durch ihre inklusive innerparteiliche Demokratie und ihre duale Führung, die in der Regel eine Frau umfasst, vom traditionellen Erscheinungsbild der extremen Rechten abhebt. Laut der Geschlechteranalyse von Mitgliedschaften, Einstellungen und Partizipation unterscheidet sich die AfD von den anderen Parteien. Doch auch die verglichenen Parteien weisen maskuline Merkmale auf, wenn auch in geringerem Maße. Hinsichtlich der Geschlechterdimension erscheint eine graduelle Differenzierung der AfD von den anderen Parteien sinnvoller als eine scharfe Abgrenzung. Auf Basis der empirischen Ergebnisse wird vorgeschlagen, die ungenaue Klassifizierung der „Männerpartei“ durch eine multidimensionale Typologie zu ersetzen, die relationale Aussagen über den maskulinen Charakter von Parteiorganisationen und deren Antifeminismus ermöglicht. Diese vergleichende Parteienanalyse soll sowohl zur Geschlechterforschung als auch zur Parteienforschung, die sich auf populistische Parteiorganisationen konzentriert, beitragen.