Springe zum Hauptinhalt
Professur Kultureller und Sozialer Wandel
Drittmittelprojekte
Professur Kultureller und Sozialer Wandel 

Drittmittelprojekte

Projektleitung: Dr. Ana M. Troncoso S.
Institution: Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften. Technische Universität Chemnitz.
Förderung: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Fördersumme: 16.275,20€
Projekttyp: Hochschuldialog mit Südeuropa 2024 (einjährig)
Projektlaufzeit: Juni-Dezember 2024
Kooperationspartner: Dr. Elsa Peralta (Universidade de Lisboa) und Prof. Dr. Doris Wieser (Universidade de Coimbra)

Portugal begeht im Jahr 2024 den 50. Jahrestag der Nelkenrevolution. Im 2014 stellte die

Historikerin Christina Abele fest: „Der 25. April ist ein Erinnerungsort, darüber herrscht auch zum 40. Jahrestag noch Konsens. Unter der Oberfläche aber schwelen politisch-historische Deutungskämpfe“ (Zeitgeschichte 2014).[1] Zu den Deutungskämpfen gehört die Frage, inwiefern die Nelkenrevolution eine portugiesische ist. Die Revolution gilt heute noch in Portugal als ein nationaler gesellschaftlicher Prozess der Befreiung von 48 Jahren Diktatur und 13 Jahren Kolonialkrieg. Dabei wird die Rolle der Befreiungskämpfe in den ehemaligen portugiesischen Kolonien für den Sturz der Diktatur in Portugal unterschätzt. Im September 2022 organisierten Dr. Elsa Peralta (Universidade de Lisboa) und Dr. des. Ana Troncoso (TU Chemnitz) ein Symposium in Lissabon zum Thema „Dekolonialer Ikonoklasmus: Stadt - Erinnerung - Teilhabe“ (finanziert vom DAAD-Programm Hochschuldialog mit Südeuropa). Im September 2024 findet in Chemnitz eine Tagung zur Nelkenrevolution mit dem Titel „Nelkenrevolution für alle? Die Erinnerung an die Nelkenrevolution im 21. Jahrhundert“ statt. Im Rahmen der Tagung soll weiter aus einer postkolonialen Perspektive gearbeitet und die 2022 initiierte Kooperation weiter vertieft werden.

Ein Ergebnis des Symposiums „Dekolonialer Ikonoklasmus: Stadt - Erinnerung - Teilhabe“ in Lissabon 2022 war die Feststellung, dass eine postkoloniale Kritik an Erinnerungspolitiken Portugals in den letzten Jahren zunehmend, jedoch vorrangig von Aktivist*innen vorangetrieben wird. Bezüglich der Forschung zur Nelkenrevolution wurde in dem Rahmen beobachtet, dass die Ereignisse, die zur Revolution in Portugal führten, unzureichend mit den Ereignissen in den Ex Kolonien und den Befreiungskämpfen verzahnt werden.

Das Projekt sieht vor: 1. Die Teilnahme von acht Forscher*innen aus dem Symposium Symposiums „Dekolonialer Ikonoklasmus: Stadt - Erinnerung - Teilhabe“ bei der Tagung „Nelkenrevolution für alle? Die Erinnerung an die Nelkenrevolution im 21. Jahrhundert“; Und 2. Ein Austauschprogramm mit vier zentralen Aktivitäten, zur weiteren Vernetzung von Nachwuchswissenschaftler*innen und Studierenden aus Portugal und Deutschland.

Am Austauschprogramm „The Postcolonial across Borders: Interdisciplinary Research and Practices of Resistance“ beteiligen sich weitere 33 Bachelor-, Master- und Promotionsstudierende aus Lissabon, Coimbra und Chemnitz. In vier Aktivitäten (eine Postersession, einen Runden Tisch, eine Buchvorstellung und einen kritischen Stadtrundgang), präsentierten sie Ergebnisse aus verschiedenen Seminaren, Abschlussarbeiten oder Forschungsprojekte, die aus einer postkolonialen Perspektive erfolg(t)en.  

Internetseite zum Austauschprogramm: https://www.tu-chemnitz.de/phil/iesg/professuren/swandel/forschung/tagungen/nelken/austausch.html.pt

Projektleitung: Dr. Ana M. Troncoso S.
Institution: Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften. Technische Universität Chemnitz.
Förderung: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Fördersumme: 19.989,30€
Projekttyp: Hochschuldialog mit Südeuropa 2022-2023 (zweijährig)
Projektlaufzeit: 2022- 2023Kooperationspartner: Dr. Elsa Peralta (Universidade de Lisboa)

Der Tod von George Floyd 2020 mobilisierte Menschen weltweit. Sie forderten, die Hinterlassenschaften des Kolonialismus zu bekämpfen, und zielten dabei auf die Repräsentation der Geschichte im öffentlichen Raum. Auch im iberoamerikanischen und deutschsprachigen Raum nahmen die Entwicklungen Fahrt auf. Gegenwärtig setzen Aktivist*innen aus dekolonialen und antirassistischen Initiativen die politisch Verantwortlichen unter Druck: In Barcelona sollen Statuen entfernt werden, die Kolumbus und spanische Sklavenhändler ehren; in Santiago de Chile rückte die Statue von General Manuel Baquedano in den Mittelpunkt des „Sozialen Aufbruchs“; in São Paulo wird das Monumento às Bandeiras hinterfragt ebenso wie in Portugal der Themenpark Portugal dos Pequenitos in Coimbra und die Statue des „selektiven Sklavisten“ António Vieira in Lissabon. Auch in Deutschland ist die kolonialkritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gegenwärtig. In Berlin etwa musste die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo Straße umbenannt und die Eröffnung des Humboldt-Forums aufgrund vielseitiger Kritik hinsichtlich Ausstellungsobjekte aus kolonialen Kontexten überdacht werden. Darüber hinaus etablierten sich Postkoloniale Stadtrundgänge in vielen Städten. Diese Interventionen fordern die dominante Geschichtsschreibung heraus und regen eine neue Erinnerungskultur an.

Im Symposium richten wir den Fokus auf das aktuelle Geschehen, und bieten eine Momentaufnahme dieser Umdeutungen. Dr. Ana Troncoso und Dr. Elsa Peralta sind Expertinnen für das Postkoloniale und seine Verbindung zur Kunst. Lissabon ist aufgrund seiner Vergangenheit als Zentrum kolonialer Macht prädestiniert für ein derartiges Treffen. Dort werden Nachwuchswissenschaftler*innen, Aktivist*innen, Künstler*innen und Studierende aus Deutschland und Portugal zusammenkommen, die sich gemeinsam folgenden gesellschaftspolitisch relevanten und brisanten Fragen widmen: Warum werden diese monumentalen Ikonen nun destruiert? Wie wird Teilhabe über Kunst im öffentlichen Raum debattiert? Welche Stimmen und Positionierungen kristallisieren sich dabei heraus? Wessen Erinnerungen werden dabei ausgehandelt? Welche glokalen Implikationen bzw. Zusammenhänge zwischen Globalisierung und ihren lokalen/regionalen Auswirkungen werden dabei deutlich? Und nicht zuletzt, wie kann eine gemeinsame Bekämpfung der sozialen Ungleichheit aus dekolonialer und rassismuskritischer Perspektive aussehen?

Das Symposium wird Studierenden theoretische und methodische Instrumente an die Hand geben, um diese gesellschaftsrelevanten Themen zu verstehen. Potenzielle studentische Teilnehmer*innen aus der TU Chemnitz und der Friedrich-Schiller-Universität Jena nehmen zurzeit am Vorbereitungsseminar „Ausgangspunkt 2020: Dekoloniale und Antirassistische Kämpfe in Iberoamerika“ von Dr. Ana Troncoso teil. Im Seminar arbeiten sie auf eine dekoloniale Karte und einen Blog hin, die in einem für Studierende vorgesehenen Panel innerhalb des Workshops vorgestellt werden.

Internetseite zum Symposium: Decolonial Iconoclasm: City – Memory – Participation

 

Projektleitung: Dr. Silke Hünecke
Institution: Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften. Technische Universität Chemnitz.
Förderung: Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) 

Projekt auf der Seite der Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) und auf Sozial Media Instagram

Fördersumme: 149.730,00 Euro
Projekttyp: Profilprojekt

Projektlaufzeit: 30 Monate (1. April 2023 - 30. September 2025)

In der Konfliktforschung, konkret in der Widerstands- und Geschlechterforschung, weist das Untersuchungsphänomen „Lebensrealitäten von Aktivistinnen* im Widerstand gegen Militärdiktaturen im 20. Jahrhundert“ etliche Leerstellen auf. Anliegen dieses Projektes ist es, dieses Phänomen exemplarisch anhand des politischen Widerstandes in Katalonien während des Spätfranquismus (1960-1977) zu analysieren. Die Anwendung von Geschlecht als systematische und konzeptionelle Kategorie wird dazu beitragen, neue differenzierte Erkenntnisse über den Forschungsgegenstand zu generieren. Ausgangshypothese der Studie ist, dass Frauen* während des Franquismus nicht nur mit einer autoritären Militärdiktatur, sondern darüber hinaus mit einem antifeministischen und patriarchalen Gesellschaftssystem konfrontiert waren. Entsprechend bestimmte diese ‚doppelte Repression‘ die Lebensrealitäten der politischen Aktivistinnen*, denn als fundamentales Regelungsverhältnis wirkte die patriarchale Geschlechterkonstruktion des national-katholizistischen Franquismus in alle Lebensbereiche bis in die männerdominierten antifranquistischen Widerstandsbewegungen hinein. Im Fokus des Projektes steht die Erforschung der Wirkungen dieser determinierenden Geschlechterkonstruktion auf die Aktivistinnen* sowie die geschlechtsspezifischen Ermächtigungsstrategien und Widerstandspraktiken von Frauen*. Ein weiteres Spezifikum dieser Studie ist die Konzentration auf den Raum Katalonien. Dadurch werden u.a. der franquistische Antikatalanismus (u.a. die politische, kulturelle, sprachliche Repression) als auch die besonderen Charakteristika des antifranquistischen Widerstandes in dieser Region (z.B. der Einfluss der katalanischen Identitätskonstruktion) in der Untersuchung berücksichtigt.

Im Zentrum dieses Vorhabens steht eine qualitative Feldforschung, für die 15 narrative Interviews mit ehemaligen Aktivistinnen* geführt und mittels der Grounded Theory analysiert werden. Die übergeordnete Fragestellung lautet: Wie gestalteten sich die Lebensrealitäten von Aktivistinnen – aus der subjektiven und retrospektiven Sicht der Zeitzeuginnen – im antifranquistischen Widerstand in Katalonien in den 1960/70er Jahren? Das besondere Forschungsinteresse gilt dabei den Erfahrungen und Wahrnehmungen der Zeitzeuginnen* an die Wirkungen der hegemonialen autoritär-patriarchalen Mentalität auf ihre damaligen alltäglichen und politischen Lebensrealitäten (geschlechtsspezifische Diskriminierung, Unterdrückung, Ausschlüsse bis hin zur Repression) sowie ihr widerständiges Denken und Handeln gegenüber der autoritär-patriarchalen Diktatur und Gesellschaft. Interpretiert werden die eigens erhobenen Interviews unter Einbeziehung primärer und sekundärer Literatur sowie grauer Literatur (etwa Schriftzeugnisse des antifranquistischen Widerstandes). 

Unterstützt wird das Projekt von Wissenschaftler*innen, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen (Betroffeneninitiativen) vor Ort. Die Forschungsergebnisse werden in einer Monographie veröffentlicht. Ein gesellschaftlicher Transfer der Ergebnisse wird durch eine Internetseite, einen zweiteiligen Podcast und zwei öffentliche Veranstaltungen in Deutschland und Katalonien zur Thematik geleistet. 

     

Bilder von Arxiu Ca la Dona

 

Projektleitung: Dr. Silke Hünecke
Institution: Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften. Technische Universität Chemnitz.
Förderung: 
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Fördersumme: 16.185,67 €
Projekttyp: Hochschuldialog mit Südeuropa 2020/2021 (zweijährig)
Projektlaufzeit: Zwei Jahre (2020/2021)
Kooperationspartner: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Nagel (Universitat Pompeu Fabra, Barcelona)

Zentral für das Projekt ist die Perspektive auf ein „Krisenmanagement von unten“, in dem Lösungsansätze- und Praxen zivilgesellschaftlicher Initiativen und sozialer Bewegungen hinsichtlich der multiplen Krise untersucht werden. Unter multipler Krise ist „eine historisch-spezifische Konstellation verschiedener sich wechselseitig beeinflussender und zusammenhängender Krisen im neoliberalen Finanzmarktkapitalismus“ zu verstehen.1  Als die zentralen Krisenfelder gelten: Ökonomie, Ökologie und Soziales (z.B. Reproduktion, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit, Migration) sowie Politik (Demokratie). Der Krisenforscher Prof. Dr. Ulrich Brand konstatiert, dass die multiple Krise mit einem „business-as-usual“ nicht bearbeitet werden kann. Stattdessen bedarf es seiner Ansicht nach einer umfassenden ‚anderen‘ Politik, deren Ziel die Herausbildung einer nachhaltigen, solidarischen und demokratischen Produktions- und Lebensweise ist.2  Seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind auch die EU-Länder von der multiplen Krise zunehmend betroffen, jedoch gibt es zwischen den Ländern Unterschiede hinsichtlich der Krisenfelder, der Formen und des Ausmaßes. Spanien und die Region Katalonien sind einerseits besonders stark von der multiplen Krise betroffen, andererseits sind dort aber auch zahlreiche große soziale Bewegungen (Erinnerungsbewegung ab 2000, Wirtschaftskrisenbewegung ab 2007, Unabhängigkeitsbewegung ab 2010, Feministische Bewegung ab 2016) neu entstanden bzw. erstarkt. Die Auswirkungen der multiplen Krise sind in Deutschland weitaus weniger gravierend, dennoch stellen sie die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Entsprechend sind auch hier soziale Bewegungen (Mieter:inneninitiativen ab 2010, Willkommensinitiativen für Geflüchtete ab 2015 und Fridays for Future ab 2019) neu aufgekommen bzw. haben sich konsolidiert.

Untersucht wird im Rahmen eines zweitägigen Workshops, welche Rolle zivilgesellschaftliche Initiativen und soziale Bewegungen zur Bearbeitung der multiplen Krise in Europa einnehmen (können) und inwieweit diese ein ernstzunehmendes „Krisenmanagement von unten“ betreiben (können). Der Workshop eröffnet somit eine neue Perspektive auf den Umgang mit der multiplen Krise. Zivilgesellschaftliche Initiativen und soziale Bewegungen und ihr Potential in Form von Lösungsansätzen und Praxen sollen dargestellt, untersucht und diskutiert werden. Durch das Zusammenkommen von verschiedenen (Nachwuchs-)Wissenschaftler:innen aus Katalonien/Spanien und Deutschland sollen Forschungen zu unterschiedlichen Initiativen/ Bewegungen präsentiert, analysiert, sowie ein gemeinsamer Dialog/Austausch und Perspektivwechsel hinsichtlich „Krisenmanagement“ gefördert werden. Durch entsprechende Maßnahmen wie eine öffentliche Abendveranstaltung, einen Internetblog von Studierenden (u.a. mit Beiträgen zu den Vorträgen und Interviews mit den Referent:innen) sowie eines englischsprachigen Special Issue in Moving the Social: Journal of Social History and the History of Social Movements soll die Auseinandersetzung über ein „Krisenmanagement von unten“ einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Internetprojektseite mit Beiträgen von Studierenden: 
https://blog.hrz.tu-chemnitz.de/managingcrisesfrombelow/?page_id=41

Internetseite zur Veranstaltung: 
https://www.tu-chemnitz.de/phil/iesg/professuren/swandel/forschung/tagungen/Social%20Movements/index.php.en

(Coronabedingt konnte die geplante Veranstaltung im Dezember 2020 nicht an der Universitat Pompeu Fabra (UPF) in Barcelona stattfinden, sondern musste digital erfolgen.)

 Demirović, Alex / Dück, Julia / Becker, Florian / Bader, Pauline: VielfachKrise. Im finanzmarktdominierten Kapitalismus, 2011, S.13
 Brand, Ulrich, Die Multiple Krise. Dynamik und Zusammenhang der Krisendimensionen. Anforderungen an politische Institutionen und Chancen progressiver Politik, Heinrich-Böll-Stiftung. Die grüne politische Stiftung (Hg.), Berlin 2009, S.11