Ehrendoktorwürde für Ingrid Mössinger
Die Generaldirektorin der Städtischen Kunstsammlungen wurde am 9. Juli 2015 von der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz geehrt
-
Ingrid Mössinger erhielt die Ehrung aus den Händen von Bernadette Malinowski (l.), Dekanin der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz, und Prof. Dr. Arnold van Zyl, Rektor der TU Chemnitz. Foto: Steve Conrad -
Die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Bernadette Malinowski, sagte in ihrer Begrüßung über Ingrid Mössinger: "Durch ihr Wirken für das kulturelle Leben hat sie Chemnitz auf der regionalen, nationalen und internationalen Landkarte verortet und einen Resonanzraum für die Kunst in Chemnitz geschaffen." Foto: Steve Conrad -
Für den Rektor Prof. Dr. Arnold van Zyl ist es immer wieder erstaunlich, wie stark Ingrid Mössinger vernetzt ist und wie kreativ sie den unterschiedlichen Partnern in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft begegnet. "Dazu gehört auch die TU Chemnitz als Wissenschaftspartner, die sich als intellektueller Impulsgeber sieht." Foto: Steve Conrad -
Auch die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, würdigte die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz: "Ingrid Mössinger ist es gelungen, dass der erstaunliche Kunstschatz der Chemnitzer Sammlungen in den vergangenen zwanzig Jahren noch gemehrt werden konnte und dass durch den regen Austausch von Kunst mit europäischen Museen das Publikum in Chemnitz Kunstwerke zu Gesicht bekam, für die man sonst nach Paris, New York oder Chicago hätte reisen müssen." Foto: Steve Conrad -
Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, lobte die charmante Hartnäckigkeit von Ingrid Mössinger: "Wenn sie ein Ziel hat, reist sie um die ganze Welt, um es zu erreichen, oder sie setzt sich stundenlang vor den Stadtverordnetensaal." Sie sagte weiter: "Was Ingrid Mössinger auszeichnet, ist nicht das Füllen eines Raumes mit Kunstobjekten allein, es ist ihre unvergleichliche Gabe der Kunst Raum in unserer Wahrnehmung, unserem Leben, unserer Stadt und unserem Selbstverständnis zu schaffen." Foto: Steve Conrad -
Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden: „Eine solche Verbindung von wissenschaftlicher Arbeit und Ausstellungspraxis, die nicht nur den Kennerkreis anspricht, sondern das Museum als Ort der gesellschaftlichen Selbstverständigung begreift, eine solche Arbeit verdient aufrichtige Bewunderung und vor allem Dank. Ingrid Mössinger hat künstlerische Maßstäbe nach Chemnitz transferiert und hier versucht einzupflanzen und auch dann nicht aufgegeben, wenn es um die Arithmetik der Besucherzahlen geht." Foto: Steve Conrad -
Dr. Peter Seifert, Vorsitzender des Hochschulrates sowie der Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz e. V., unterstrich, dass die Tätigkeit von Ingrid Mössinger geprägt sei von ansteckender Lust und Leidenschaft, beispielgebendem persönlichen Einsatz, hochgesteckten Zielen und einer kompromisslosen Orientierung auf Qualität. "Ingrid Mössinger hat die Kunstsammlungen Chemnitz mit ihrem spezifischen Charme wieder in die erste Reihe deutscher Kunstmuseen geführt." Foto: Steve Conrad -
Der Präsident des Industrievereins Sachsen 1828 e. V. und geschäftsführender Gesellschafter der NILES SIMMONS Industrieanlagen GmbH, Prof. Dr. Hans J. Naumann, würdigte Ingrid Mössingers umfangreiches Fachwissen, Organisationstalent und Verhandlungsgeschick als Voraussetzungen für ihre erfolgreiche Aktivitäten. Foto: Steve Conrad -
Nach seiner Laudatio auf Ingrid Mössinger überreichte der Kunst- und Theaterkritiker Prof. Peter Iden eine Rose. Zuvor sagte er: "Ingrid Mössinger ist eine Erzählerin geworden, denn was ist das Einrichten von Ausstellungen in einem Museum als Medium bildlicher Kunstwerke anderes als ein Erzählen von einer Welt mit ihrem Glanz und ihren Mängeln." Er lobte auch ihr hohes Maß an Zuwendung an die "eigene autonome Wirklichkeit eines Kunstwerks." Foto: Steve Conrad -
Die Freude ist groß: Ingrid Mössinger kann fortan den Titel "Doctor Philosophiae Honoris Causa" (kurz: Dr. phil. h.c.) führen. Foto: Steve Conrad -
Stehende Ovationen der etwa 700 Gäste des akademischen Festaktes im Auditorium maximum der Universität. Foto: Steve Conrad -
Unter den Gästen nahmen in der ersten Reihe auch vier ehemalige Rektoren der TU Chemnitz Platz. Foto: Steve Conrad -
TU-Rektor Prof. Dr. Arnold van Zyl gratulierte Dr. phil. h.c. Ingrid Mössinger zur hohen Ehrung. Foto: Steve Conrad -
Die Ehrendoktorin Ingrid Mössinger sagte: "Bei so einer weltoffenen Einrichtung wie der TU Chemnitz mit einer so großartigen Vielfalt der Forschungsfelder ist man sich stets bewusst, dass die Wissenschaft allein die Welt nicht erklären kann, sondern dass man dazu auch in hohem Maße die Kunst benötigt." Foto: Steve Conrad -
Der Göttinger Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Detering, sprach zum Thema "Bob Dylan und andere Leute". Aus seiner Sicht sei Bob Dylan durch Chemnitz in einer neuen Rolle berühmt geworden. "Von hier aus nahm man wahr, dass der Musiker und Dichter auch ein begabter Grafiker, Maler und Künstler ist – außer Ingrid Mössinger hat ihm nur niemand so richtig zugehört." Foto: Steve Conrad -
Musikalisch umrahmt wurde der akademische Festakt von Hartmuts Schill, Erster Konzertmeister der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz, mit der Violine und von Prof. Frank-Immo Zichner, Professor an der Universität der Künste in Berlin, am Klavier. Sie spielten drei Sonaten von Johannes Brahms. Foto: Steve Conrad
Ingrid Mössinger erhielt am 9. Juli 2015 für ihre Verdienste um die Kunst und Kulturszene in Chemnitz die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Chemnitz. Die Ehrung nahmen die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Bernadette Malinowski, sowie der Rektor der TU Chemnitz, Prof. Dr. Arnold van Zyl, vor. Für die Laudatio konnte der Kunst- und Theaterkritiker Prof. Peter Iden gewonnen werden. Den Festvortrag hielt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Prof. Dr. Heinrich Detering. Der Göttinger Literaturwissenschaftler sprach zum Thema "Bob Dylan und andere Leute".
Ein "beispielloses Beispiel für die wahre Hingabe an die Kunst" nannte die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Bernadette Malinowski, die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz Ingrid Mössinger in ihrer Begrüßungsrede. "Ihre Offenheit für die Wissenschaft ermöglichte die Vielfalt an Kooperationen zwischen den Museen der Stadt und der Philosophischen Fakultät, die sich selbst als ein ausgewiesener Ort für den wissenschaftlichen Dialog mit der Kunst begreift. Kunst ist für Ingrid Mössinger kein Schmücke-dein-Heim, kein Nebenher, kein Auch-noch, sondern intergraler Bestandteil gesellschaftlichen und individuellen Menschseins. Frau Mössinger lebt das Ethos, dass die Kunst der Gesellschaft in Freiheit verpflichtet ist", sagte die Dekanin und ergänzte: "Die Chemnitzer Kunstsammlungen haben sich in der Vergangenheit als fruchtbare Kooperationspartner mehrerer Professuren der Philosophischen Fakultät erwiesen. Ausstellungen, Ringvorlesungen, Kolloquien, Workshops oder Vorträge wurden gemeinsam durchgeführt. Weiterhin waren und sind die Sammlungen auch Ausgangspunkte von Forschungs- und Lehrvorhaben." Der künftigen Zusammenarbeit zwischen den Kunstsammlungen und ihrer Fakultät blickt die Dekanin hoffnungsvoll entgegen. "Ich freue mich auf viele gemeinsame, interdisziplinäre Projekte, auf den produktiven Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst und bin gespannt, mit welchen Ausstellungscoups Ingrid Mössinger auch künftig national und international Blicke auf und Gäste nach Chemnitz ziehen wird", so Prof. Malinowski.
Der Rektor der TU Chemnitz, Prof. Dr. Arnold van Zyl, würdigte das Lebenswerk Ingrid Mössingers und begrüßte sie im Kollegium der "doctores honoris causa" der Universität, die als geschätzter Partner der Kunstsammlungen im wissenschaftlichen Sektor profitiert. Seiner Würdigung stellte er die interdisziplinäre Profilierung der Technischen Universität Chemnitz auf der Basis wissenschaftlicher Exzellenz, gesellschaftlicher Relevanz sowie gelebtem Respekt für die Vielfalt von Menschen, Ideen und Fächerkulturen voran. "Mit viel Engagement und Verhandlungsgeschick hat Ingrid Mössinger Maßstäbe weit über die Region hinaus gesetzt - davon hat auch die Universität sehr profitiert", so der Rektor.
Die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, erinnerte sich gemeinsam mit den fast 700 Festgästen an ihre erste Begegnung mit Ingrid Mössinger, die sie als energische und engagierte Kunsthistorikerin würdigte: "Ingrid Mössinger hat es vermocht, internationale kuratorische Erfahrung, kunstgeschichtliche Expertise und Verhandlungsgeschick so miteinander zu verbinden, dass daraus große Erfolge erwachsen konnten. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Chemnitz können sich glücklich schätzen, mit ihr eine Persönlichkeit engagiert zu haben, die vielbeachtete Ausstellungen von höchster Qualität organisiert."
"Charmante Hartnäckigkeit" bescheinigte Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Ingrid Mössinger. Ausdauer, grenzenloses Denken, Kunstsinn und eine Kenntnis des subtilen Kunstgeschäfts zeichnen die Generaldirektorin aus und haben ermöglicht, dass sie nicht nur die Chemnitzer Kunstlandschaft veränderte, sondern auch die Menschen für ihre Ideen und die Kunst der Stadt begeistert hat.
Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden, dankte Ingrid Mössinger für ihre Arbeit in den Gremien anderer Hochschulen, die ihren Einsatz für die junge Generation nachkommender Künstler spiegelt. Er betont die Bedeutung der Leistung ihrer Chemnitzer Kunsthäuser, auch wenn diese manchmal im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stattfindet.
"Sie haben immer wieder und unermüdlich die Kunst in unsere Bürgerschaft hineingetragen“, spricht Dr. Peter Seifert, Vorsitzender des Hochschulrates sowie der Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz e. V., zu Ingrid Mössinger. "Ihr gelang es, mit neuen Ideen Aufmerksamkeit zu erregen und an die gute Zeit des städtischen Kunst- und Kulturlebens anzuknüpfen", so Dr. Peter Seifert. Sie habe unentwegt an der Profilierung der Kunstsammlungen gearbeitet und Chemnitz damit zu einem bedeutenden Ausstellungsstandort gemacht.
Für den Präsident des Industrievereins Sachsen 1828 e. V. und geschäftsführenden Gesellschafter der NILES SIMMONS Industrieanlagen GmbH, Prof. Dr. Hans J. Naumann, ist Ingrid Mössinger ein Vorbild für die Industrie. Die von ihr nach Chemnitz geholten beeindruckenden Ausstellungen und die Etablierung neuer Museen sollen die Industrie inspirieren, die traditionell eng mit der Kunst verbunden ist.
In seiner Laudatio auf Ingrid Mössinger lobte der Kunst- und Theaterkritiker Prof. Peter Iden deren Doppelbegabung das Programm wechselnder Ausstellungen zu koordinieren und dabei ein Vermögen zur Theorie zu beweisen, das nicht nur aus dem notwendigen Kunstgespür sondern auch aus erforderlicher Expertise besteht. Anhand ausgewählter Ausstellungen zeichnete er den Einsatz Ingrid Mössingers für die Neu- und Wiedergewinnung von Kunstschätzen nach und würdigt ihre „obsessive Insistenz“ bei der Suche nach Sponsoren und Stiftern.
Nach dem dreistündigen Festakt fanden sich viele der Gäste noch im Foyer des Hörsaalgebäudes ein und ließen dort am Büfett den Abend ausklingen. Wer wollte, konnte sich auch die kleine Ausstellung von Plakaten der Städtischen Kunstsammlungen ansehen oder in Ausstellungskatalogen blättern.
Zur Person: Ingrid Mössinger
Mössinger, die aus Schwaben stammt, wirkt seit fast 20 Jahren in Chemnitz. Seit 2005 ist sie Generaldirektorin der Städtischen Kunstsammlungen mit Carlfriedrich Claus-Archiv, Museum Gunzenhauser, Schloßbergmuseum und Van de Velde-Museum in der Villa Esche. Sie studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie und Philosophie in Frankfurt am Main. Sie war Direktorin der Kunstmesse "Art Frankfurt" und organisierte den deutschen Auftritt bei der Biennale in Sydney. Unter ihrer Regie wurden in Chemnitz große Ausstellungen gezeigt, beispielsweise zu Munch, Kirchner, Cranach, „Picasso et les femmes“ oder die Weltpremiere der Bob-Dylan-Werke. Sie holte die hochkarätige Sammlung Gunzenhauser ebenso nach Chemnitz wie die Sammlung Feininger und weitere Kollektionen.
Besondere Aufmerksamkeit in der Kunst- und Kulturszene erhielt die Verleihung des Titels „Museum des Jahres 2010“, den die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes an die Chemnitzer Kunstsammlungen vergab. Bereits 2006 wurde Mössinger vom Präsidenten der Republik Frankreich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, ein Jahr später folgte die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 2010 wurde ihr in Anerkennung ihrer Verdienste das dänische Ritterkreuz des Dannebrogordens, der Sächsische Museumspreis und der Medien- und Kommunikationspreis „Heiße Kartoffel“ verliehen. 2014 wurde sie mit dem Verdienstorden des Freistaates Sachsen geehrt.
(Autoren: Andy Schäfer und Mario Steinebach)
Mario Steinebach
10.07.2015