Gegen das Vergessen
Aktion zwischen dem Innenhof des Böttcher-Baus der TU Chemnitz und dem Hauptbahnhof erinnerte am 10. Mai 2022 an die Deportation jüdischer Menschen vor 80 Jahren und an die Namen der Opfer

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Die BuntmacherInnen sprühen die Namen von jüdischen Deportierten auf den Gehweg vor dem Böttcher-Bau der TU Chemnitz. Foto: Jacob Müller -
Die Chemnitzer Kulturbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky erinnerte am Gedenkstein im Innenhof des Böttcher-Baus an die vielen Opfer der Deportation. Foto: Jacob Müller -
Charlotte Rosenthal – das ist nur ein Name der 134 deportierten jüdischen Menschen, die am 10. Mai 1942 von Chemnitz ins polnische Ghetto Bełżyce transportiert wurden. Mehr als 1.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus ganz Mitteldeutschland wurden an diesem Tag deportiert. Foto: Jacob Müller -
Die Erinnerungsakltion führte von der Straße der Nationen über die Georgstraße bis zum Hauptbahnhof. Foto: Jacob Müller -
Am Hauptbahnhof wurden die Namen aller 134 Deportierten verlesen. Auch dort erinnert seit 2015 eine Gedenktafel an die Opfer. Foto: Jacob Müller -
Der schattige Platz unter der Kastanie im Innenhof des Böttcher-Baus, an dem sich ein Gedenkstein befindet, war ein Ort der Aktion „Das demokratische Chemnitz liest!“, an dem verbrannte und unterdrückte Literatur vorgelesen wurde. Foto: Jacob Müller
Anlässlich des 80. Jahrestages der ersten Deportation von jüdischen Menschen aus Chemnitz ins polnische Ghetto Bełżyce bei Lubmin wurden am 10. Mai 2022 bei einer Erinnerungsaktion die Namen von 134 betroffenen jüdischen Menschen vom Innenhof des Böttcher-Baus der Technischen Universität Chemnitz bis zum Hauptbahnhof auf den Fußweg gesprüht. Der Innenhof wurde als Startpunkt der gemeinsamen Aktion der Stadt Chemnitz und des BuntmacherInnen e. V. nicht zufällig ausgewählt, denn dort war der Sammelpunkt für mehrere Deportationen in der Zeit von 1942 bis 1945.
Ebenfalls gestern fand an gleicher Stelle eine Lesung von verbrannter und unterdrückter Literatur statt. Die Leseaktion „Das demokratische Chemnitz liest!“ erinnerte an die große Bücherverbrennung durch die Nazis in Berlin am 10. Mai 1933. Die TU Chemnitz war eine von elf verschiedenen Orten in der Stadt, an denen verbrannte und unterdrückte Literatur missliebiger Autorinnen und Autoren gelesen wurde. Eine der insgesamt zwölf Lesungen fand auch in der Universitätsbibliothek statt. Unterstützt wurde dieses Projekt von der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH.
Mario Steinebach
11.05.2022